Häufige Fragen

Stand: 09. Dezember 2014

Wer ist betroffen?​

Wie viele Häuser sind bisher betroffen?​

Aktuell rund 200 Gebäude.

Wie viele Bohrungen sind in den betroffenen Gebieten vorhanden und wie alt sind diese?​

10 Bohrlöcher im Kernbereich und 7-9 Bohrlöchern im unmittelbaren Umfeld, aus dem Jahr 2008 oder früher.

Muss sich die ganze Stadt Böblingen Sorgen machen?​

Nein. Es gibt gegenwärtig aufgrund der geologischen Situation keinen Anlass zur Sorge, dass weitere Bereiche des Stadtgebiets betroffen sind. Die überwiegende Anzahl der Meldungen von Gebäudeschäden stammt aus den bekannten und auf unserer Internetseite dargestellten Gebieten im Nordosten der Stadt.

Können zwischen den beiden betroffenen Gebieten ebenfalls Probleme auftreten oder sind schon welche bekannt?

Wir haben hierfür keine Hinweise. Es bestehen dort auch andere Untergrundverhältnisse.

Besteht eine Gefahr für die Bürger?​

Eine akute Gefahr für die Bevölkerung sehen wir nicht, ein Restrisiko kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Diese Frage kann auch nicht allgemeingültig beantwortet werden. Die Netze BW GmbH wurde von uns informiert, hat ihre Gasleitungen in den betroffenen Bereichen inzwischen auch wiederholt überprüft und konnte bisher keine Schäden an ihrem Leitungsnetz in Folge der Hebungen feststellen. Für die Situation innerhalb der Gebäude (hierfür ist laut der Netzte BW GmbHjeder Eigentümer selbst verantwortlich) haben wir aber keine Erkenntnisse.

Wir empfehlen daher Hauseigentümern die von Schäden betroffen sind, vorsorglich ihre Gasleitungen im Gebäude untersuchen zu lassen.

Was ist den Betroffenen zu raten?

Wenn Betroffene Schäden an Ihrem Eigentum feststellen sollten Sie       

  • ihren Schaden selbst dokumentieren
  • ihre Schäden durch einen geeigneten Sachverständigen ermitteln und dokumentieren lassen
    (Zahlreiche Hausbesitzer haben hierfür bereits Gutachter eingeschaltet, der Sprecher der Betroffenen kann evtl. nähere Informationen zu den jeweiligen Erfahrungen geben). Hier wäre eventuell auch eine gemeinsame Aktion mehrerer Geschädigter denkbar, um Kosten und Zeit zu sparen.

Bereits in der Bürgerinformationsveranstaltung wurde erläutert, dass Behörden keine rechtlich Beratung, insbesondere nicht im Bereich des Zivilrechts vornehmen dürfen.
Bei rechtlichen Fragen zu Schadensersatz / Haftung sollten Sie sich daher von einem Rechtsanwalt / Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht beraten lassen. Auf der Homepage der Rechtsanwaltskammer Stuttgart kann man online nach Rechtsanwälten recherchieren: www.rak-stuttgart.de.

Ursachen und Untersuchungen

Welche Ursachen kommen für die festgestellten Hebungen in Frage?​

Für die größerflächigen Hebungen ist vermutlich ein sogenanntes  Gipskeuperquellen verantwortlich. Es liegen noch keine konkreten Beweise hierfür vor, jedoch sprechen zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass dieses Gipskeuperquellen durch fehlerhaft ausgeführte Erdwärmebohrungen ausgelöst worden sein könnte. Derzeit laufen die Untersuchungen zur Ermittlung der konkreten Ursachen. In Einzelfällen, nicht jedoch für die größerflächigen Hebungen, sind auch andere Ursachen denkbar wie beispielsweise unsachgemäße Gebäudegründung, Spannungsrisse durch unterschiedliche Materialeigenschaften, natürliche Ursachen wie biologischer Wasserentzug durch nahe an Gebäuden stehende Bäume, Erdbeben, Erschütterungen, oder Bauarbeiten. Überlagerungseffekte sind möglich.

Wir müssen annehmen, dass sich die Erde insbesondere im Gebiet südlich der Stuttgarter Straße in den vergangenen Jahren um bis zu 45 Zentimeter gehoben hat. Zu beachten ist, dass Basis dieser Zahl eine Scanbefliegung ist, bei der Fehlertoleranzen von bis zu 10 cm auftreten können. Laut den vom Landratsamt beauftagten Messungen schreiten die Hebungen in beiden Gebieten mit bis zu 5 Millimetern pro Monat fort.

Es wird immer nur von Hebungen gesprochen. Allerdings sind auch Setzungen festgestellt worden. Wie kann das sein?

Diese können durch entstehende Verschiebungen in den Randbereichen der Hebungsgebiete auftreten.

Wie läuft die Untersuchung von den Erdwärmesonden ab?

Voraussetzung ist, dass die Sondenköpfe zugänglich sind und die Heizungsanlage ca. 10 Tage „ruht“. Hierfür muss unter Umständen ein kleinräumiger Bereich im Vorgarten aufgegraben werden. Damit die Sonden mit den Messgeräten befahren werden können, müssen sie einen Durchmesser von mindestens 25 Millimetern aufweisen. Als nächstes wird eine Winde mit Teufengeber errichtet um dann die Sondenrohre mit Messinstrumenten befahren zu können. Für die Untersuchungen Ruhe-Temperatur-Profil, K-TRT Messverfahren und Gamma-Gamma-Dichte-Anomalie werden bei einer 100 Meter tiefen Sonde etwa fünf Stunden veranschlagt.

Was wird untersucht?

Es werden die Erdwärmesonden in den betroffenen Gebieten untersucht. Erdwärme wird häufig als Energiequelle für Eigenheime genutzt. Dazu wird vor Ort in bis zu rund 100 Meter Tiefe gebohrt. In die Bohrlöcher werden dann Kunststoff-Schläuche mit rund 25 Millimeter Durchmesser eingebracht, die sogenannten Erdwärmesonden. Über diese wird die Erdwärme gewonnen und für die Nutzung aufbereitet. Es verbleibt zwischen den Sonden und der Bohrlochwand ein Hohlraum (Ringraum), der meist mit einer Zementmischung verpresst wird. Dieser Ringraum muss geschlossen werden, um zu vermeiden, dass Wasser frei fließen kann und so zu Schäden führt.
Bei den Schadensfällen im Nordosten von Böblingen wird das Landratsamt Bohrungen untersuchen, um zu ermitteln, ob es so genannte Fehlstellen in der Abdichtung (Zementation) gibt und ob in entsprechenden Hohlräumen eventuell Wasser fließt. Dazu wird ein Spezialunternehmen Messungen durchführen. Messinstrumente werden dazu in die Sonden eingefahren. Es gibt drei Messverfahren, die zur Anwendung kommen sollen:
Die Ruhetemperatur-Messung: Dabei wird ein Ruhetemperaturprofil erstellt. Bei einer intakten Erdwärmesonde wird erwartet, dass die Temperatur kontinuierlich über die Tiefe zunimmt. Sprünge im Ruhe-Temperaturprofil weisen auf Unstimmigkeiten in der Zementation der Hinterfüllung hin.
Die Kurz-Thermal-Response-Test-Temperaturprofilmessung (K-TRT): Bei dieser Methode zirkuliert in einem der meist zwei U-förmigen Sondenrohre pro Bohrung rund 30 Grad warmes Wasser. Im zweiten Rohr wird das Messinstrument herabgelassen. Es misst die unterschiedlichen Temperaturen, die durch das warme Wasser an die Umgebung abgegeben werden. Bei einer vollständigen Auffüllung mit Zement nimmt die Temperatur gleichmäßig zu und wieder ab. Insbesondere bei Wasservorkommen im Ringraum zeigen sich bei der Messung deutliche Unterschiede, da Wasser sich anders als Zement erwärmt.
Die Dichte-Anomalie-Messung: Das dafür eingesetzte Messinstrument sendet Gammastrahlen aus. Gemessen wird wie die Gammastrahlen vom umliegenden Material reflektiert werden. Daraus können die Experten dann Rückschlüsse auf die Dichte des Materials ziehen.
 
Aus den Ergebnissen lässt sich dann nicht nur ablesen, ob es Hohlräume im Ringraum gibt und sich in diesen Wasser befindet. Es wird auch erkennbar, in welcher Tiefe sich die Schäden befinden. Diese Informationen sind für eine Sanierung unerlässlich. Zur Vorbereitung einer Sanierung werden die Untersuchungen oft auch wiederholt und intensiviert, um eine breite Datengrundlage zu erhalten.

Warum müssen die Erdwärmesonden vor den Messungen abkühlen?

In einer Bohrung gibt es im Idealfall zur Tiefe hin eine stetig zunehmende Temperatur. Durch den Transport der Wärme von unten nach oben wird das angrenzende Gestein beeinflusst und in der Regel erwärmt. Ziel ist es, im Rahmen der Untersuchungen einen möglichst durch den Betrieb ungestörten Zustand der Temperaturverteilung erfassen zu können. Temperaturabweichungen oder Temperatursprünge können auf Fehlstellen der Ringraumzementation hinweisen. Nach Ausführung der Bohrung werden die Sondenschläuche in das Bohrloch eingeführt. Um eine gute Verbindung zum umliegenden wärmeren Gebirge zu erreichen, muss der Hohlraum zwischen den Schläuchen un der Borlochwandung, der sogenannte Ringraum, mit Zementsuspension dicht verfüllt werden. Sollte der Ringraum um die Erdwärmesonden ungenügend verfüllt und damit undicht sein, könnte ungewollt Wasser die Erdwärmesonden umströmen. Dies hat in der Regel eine Temperaturangleichung in den entsprechenden Tiefenabschnitten zur Folge. UngewollteTemperatursprünge können möglicherweise auf exotherme (mit Freiwerden von Wärme verbundene) Reaktionen, beispielsweise durch Umwandlung von Gips in Anhydrit, hinweisen. Zur Erfassung entsprechender Temperaturanomalien wird die Temperatur tiefendifferenziert exakt erfasst. Hierbei sollen Einflüsse durch den Betrieb minimiert beziehungsweise ausgeschlossen werden können.

Wann werden die Bohrlöcher untersucht?​

Mit der Bohrfirma und deren Versicherung konnten wir eine Kooperation zur Untersuchung der Erdwärmesonden vereinbaren. Auch mit den Eigentümern konnte eine Kooperationsvereinbarung geschlossen und mit den Untersuchungen begonnen werden. In beiden Hebungsgebieten laufen momentan Untersuchungsmaßnahmen.

Werden alle Bohrungen in dem betroffenen Gebiet überprüft?

Es sollen alle Bohrungen überprüft werden, die auf Grund der gegenwärtigen Sachkenntnis für die entstandene Problematik als mögliche Auslöser in Betracht kommen. Jedoch besteht gegenwärtig kein Anlass, Bohrungen außerhalb der Hebungsbereiche auf mögliche Schäden zu überprüfen.

Wie lange werden die Präzisionsmessungen der Firma intermetric fortgeführt und in welchem Umfang?

Der Umfang und das Intervall der Messungen müssen in Zukunft abgewogen werden, da jede dieser Messungen einige tausend Euro kostet. Bisheriges Ziel war und ist die Erhebung einer aussagekräftigen Datengrundlage zur Ursachenermittlung, denn zunächst war noch nicht klar, in welche Richtung sich die Erde hier bewegt. Später reicht unter Umständen auch ein kleineres Messnetz mit vergrößerten Intervallen als eine Art „Monitoring“. Im Moment werden ergänzend die Möglichkeiten einer satellitengestützten Auswertung geprüft. Messungen an Einzelgebäuden wurden bisher exemplarisch im Zusammenhang mit der Ursachenermittlung durchgeführt. In Zukunft sind mögliche weitere, gebäudebezogene Messungen von den betroffenen Eigentümern jedoch in Eigenregie  zu veranlassen.

Was wird bei den Präzisionsmessungen der Firma intermetric gemessen? Wie erfolgt dies?

Die Firma intermetric hat in den betroffenen Gebieten entlang von Straßenzügen sogenannte Setzungspunkte vermarkt. Des Weiteren wurden an einzelnen Gebäuden Setzungsbolzen angebracht. Diese wurden nach einer zunächst erfolgten „Nullmessung“ in der Folge hinsichtlich möglicher Höhenänderungen oder auch Verkippunken vermessen. Die eigentlichen Messungen erfolgen hochgenau per Feinnivellement (Zeiss Dini21 mit Präzisions-Invarlatte mit Standardabweichung für 1 km Doppelnivellement +/- 0.3 mm). Das Feinnivellement wird an weiter entfernt liegenden Referenzpunkten angeschlossen, von denen man ausgeht, dass diese nicht mehr im Hebungsgebiet liegen und somit als „höhenstabil“ angesehen werden können. Die Stabilität der Referenzpunkte wurde überprüft und hat sich im Zuge der Untersuchungen bisher bestätigt.

Sind weitere Scanbefliegungen im Stadtgebiet geplant?

Nein, gegenwärtig nicht. Zurzeit wird eine satellitengestütze Messung herangezogen und die Daten ausgewertet.

Warum ist eine Untersuchung der Sonden nicht schon erfolgt?

Die Überprüfungen laufen gegenwärtig und sind teilweise abgeschlossen.

Was passiert wenn die Eigentümer nicht zur Untersuchung bereit sind?​

Soweit ist es nicht gekommen, eine Kooperationsvereinbarung ist abgeschlossen. Rechtlich hätten wir sonst mit sogenannten Duldungsverfügungen die Eigentümer zwingen müssen, die Untersuchungen auf ihrem Grund zuzulassen.

Sanierung​

Was passiert in der Erde? ​

Für die festgestellten Hebungen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein sogenanntes Gipskeuperquellen verantwortlich. Der Begriff Gipskeuperquellen umfasst meist zwei ineinander greifende Vorgänge, nämlich das Schwellen bei der Umwandlung von Anhydrit in Gips und das osmotische Quellen quellfähiger Tonminerale. Beide Prozesse sind mit erheblichem Quelldrücken und mit Volumenzunahme im Untergrund verbunden. Voraussetzung hierfür ist, dass quellfähiger Anhydrit mit Wasser in Kontakt kommt. Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau hat diese Sichtweise inzwischen bestätigt.

Wäre mit der Reparatur der Bohrungen auch die Erdhebung gestoppt?

Leider nicht. Wenn Schäden an den Bohrungen behoben sind, wird der Nachschub für das Aufquellen der Gipsschicht, konkret des Anhydrids, im Boden unterbunden. Erfahrungen belegen jedoch, dass die Hebungen noch über längere Zeit nachwirken können, da die Vorgänge, die durch das Eintreten von Feuchtigkeit begonnen wurden, weiterlaufen. Dies können mehrere Jahre sein.

Wann hören die Erdbewegungen auf?

Zunächst muss der Wasserzufluss in das Anhydrit gestoppt werden. Danach kann sich der Quellprozess allerdings noch einige Zeit fortsetzen. Über den Zeitraum ist derzeit leider keine seriöse Angabe möglich.

Wie groß werden die Hebungen am Ende sein?

Auch hierüber sind derzeit keine Aussagen möglich, das wäre reine Spekulation.

Wann können Häuser saniert werden?​

Eine endgültige Sanierung der Häuser macht erst Sinn, wenn die Erde sich wieder beruhigt hat. Wir müssen allerdings in langen Zeiträumen denken. Kleinreparaturen oder provisorische Gebäudeabdichtungen sollten jedoch zeitnah ausgeführt werden, um beispielsweise Folgeschäden durch eindringende Feuchtigkeit oder Wärmeverluste zu vermeiden.

Wie kann die Sanierung der Schäden im Untergrund ablaufen?

Bei Schäden durch Bohrungen kommt etwa eine nachträgliche Verpressung (= Abdichtung bestehender Bohrungen) oder eine Überbohrung in Frage. Da solche Sanierungen bisher erst selten durchgeführt wurden, gibt es weder Regeln der Technik noch Patentrezepte. Es wird daher notwendig sein, bei allen vorgefundenen Schadensursachen auf den jeweiligen Einzelfall zugeschnittene Sanierungslösungen zu erarbeiten und vor der Umsetzung intensiv vorzubereiten.

Haftung​

Wer kommt für die entstandenen Schäden auf?​

Es wurde bereits in der Bürgerinformationsveranstaltung darauf hingewiesen, dass Behörden keine Rechtsberatung, insbesondere im Bereich des Zivilrechts, ausüben dürfen. Ein Rechtsanwalt / Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht kann die sich stellenden Fragen beantworten. Auch hier ist es denkbar, sich zusammenzuschließen, um ggf. Kosten zu sparen. Grundsätzlich ist es so, dass der Verursacher, bzw. dessen Versicherung für die von ihm zu vertretenen Schäden aufkommen muss.

Wann können Betroffene mit Entschädigung rechnen?​

Diese Frage können wir leider nicht beantworten, da dies in der Sphäre der Versicherung liegt. Wir erkennen aber bei der Versicherung und der Bohrfirma eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Im Fall der Gebäudeschäden in Leonberg vor zwei Jahren wurden die Geschädigten von der Versicherung entschädigt, nachdem klar war, dass Fehler bei den Bohrungen die Erdhebungen verursacht hatten.

Werden das Landratsamt und die Stadt beim Kontakt mit den Versicherungen behilflich sein?

Das Landratsamt und die Stadt werden eine koordinierende Rolle einnehmen und den Anwohnern hierbei behilflich sein. Zunächst geht es aber darum so schnell wie möglich die Ursachen zweifelsfrei zu ermitteln.

Wer überprüft den ausreichenden Versicherungsschutz der Bohrfirmen?​

Heute müssen entsprechende Zertifikate als Nachweis über den Versicherungsschutz mit den ohnehin umfangreichen Antragsunterlagen vorgelegt werden.

Wie hoch ist die Bohrfirma für die Böblinger Fälle versichert?​

Die genaue Summe kennen wir nicht, in Leonberg waren es drei Millionen Euro.

In Leonberg gibt es einen ähnlichen Fall von Schäden durch Erdbohrungen. Wie wurde dort die Entschädigungs- und Haftungsfrage geregelt?​

Wir haben sowohl mit der Bohrfirma als auch mit der Versicherung gute Erfahrungen gemacht. Da es sich um die gleiche Firma und Versicherung handelt, haben wir große Hoffnung, dass auch in Böblingen schnell die Sanierung in Gang gebracht werden kann. Soweit wir wissen, haben sich die Betroffenen gütlich mit der Versicherung geeinigt.

Weiteres

Seit wann wissen wir von den Gebäudeschäden?​

Vereinzelte Schadensmeldungen haben wir im Herbst 2011, danach verstärkt im Sommer und Herbst 2012 erhalten. Vereinzelte Schadensmeldungen gehen über das Jahr verteilt für das gesamte Kreisgebiet ein. Dies haben üblicherweise Ursachen wie beispielsweise unsachgemäße Gebäudegründung, Spannungsrisse durch unterschiedliche Materialeigenschaften, natürliche Ursachen wie biologischer Wasserentzug durch nahe an Gebäuden stehende Bäume, Erdbeben, Erschütterungen, oder Bauarbeiten.

Warum wurden die Betroffenen erst jetzt informiert?​

Das Landratsamt hatte Ende des Jahres 2012 erste Kontakte mit den Betroffenen. Stadtwerke und betroffene Behörden wurden unmittelbar informiert. In diesem Stadium war das Thema Geothermie nur eine von mehreren denkbaren Ursachen. Um in einem frühestmöglichen Stadium alle denkbaren Gefahren für die Bevölkerung auszuschließen, wurde die EnBW gebeten, vorsorglich das Gasnetz zu überprüfen.

Wer ist alles an der Aufklärung beteiligt?​

Landratsamt Böblingen, Stadt Böblingen, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau, ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, und das Vermessungsbüro. Das Umweltministerium und das Regierungspräsidium Stuttgart sind informiert.

Hat der Landkreis bislang Geld ausgegeben?​

Ja. Der Landkreis hat bereits zum jetzigen Zeitpunkt rund 40.000 Euro für Messungen ausgegeben, um der Ursache besser auf den Grund zu gehen.

Wie sieht die Geologie in den Städten und Gemeinden im Landkreis Böblingen aus?

Die Landschaft im Landkreis ist durch die Geologie des „Schwäbischen Schichtstufenlandes“ geprägt. Durch das Schichteinfallen, die Neigung der Gesteinsschichten, von Nordwest nach Südost gibt es unterschiedlichste geologische Formationen an der Geländeoberfläche.
So steht im Nordwesten im Würmtal und an seinen Hängen der Buntsandstein an. Nach Südwesten und Süden erstrecken sich das Heckengäu, das Strohgäu und das Korngäu. Diese Flächen werden zumeist durch Kalkgesteine gebildet.
In einem Band von Leonberg und Renningen nach Süden über Sindelfingen, Böblingen und Gärtringen bis Herrenberg findet man Lettenkeuper und Gipskeuper, während  an den weiter östlich und  südöstlich liegenden Hängen zum Schönbuch und auf den höher gelegenen Flächen die Bunten Mergel, der Stubensandstein und der Knollenmergel verbreitet sind.
Auf Gemarkung Steinenbronn sowie auf der Höhe zwischen Böblingen und Schönaich beginnend trifft man auf den Lias, der sich auch bis nach Holzgerlingen und in den Nordwesten von Weil im Schönbuch hinzieht. Auch um Altdorf und Hildrizhausen bestehen Flächen mit Lias-Gesteinen an der Erdoberfläche.
Der Schönbuch selbst wird durch den Stubensandstein geprägt, während am Trauf zum Gäu die Bunten Mergel und der Gipskeuper anstehen.
Die Tiefe von Gesteinslagen des Gipskeupers variiert im Kreisgebiet. Von Leonberg nach Süden über Sindelfingen und Böblingen bis Gärtringen und Herrenberg steht der Gipskeuper verbreitet an der Oberfläche an oder ist durch vergleichsweise dünne Auflagen überdeckt. Nach Osten taucht der Gipskeuper in den tieferen Untergrund ab.
In den verkarsteten Tiefen des Oberen und Unteren Muschelkalks sind bedeutende Grundwasservorkommen, die zu Trinkwasserzwecken genutzt werden. Daher sind diese Flächen überwiegend mit Wasserschutzgebieten überzogen. Zum Schutz des Grundwassers ist in einigen Gebieten, insbesondere im Südwesten des Landkreises der Bau von Erdwärmesondenanlagen grundsätzlich nicht zulässig.

Gibt es im Landkreis weiterhin Geothermie-Bohrungen?​

Zum Schutz des Grundwassers ist in einigen Gebieten des Landkreises der Bau von Erdwärmesondenanlagen nicht zulässig. In manchen Gebieten sind aufgrund der geologischen Verhältnisse zum Schutz des Grundwassers zusätzliche Anforderungen an Erdwärmesonden zu stellen. Insbesondere in Gebieten, in denen Gipskeuper oberflächennah im Untergrund vorkommt, können auch aufgrund einer geänderten Risikoeinschätzung wasserrechtliche Erlaubnisse für Geothermie-Bohrungen zukünftig nur noch unter hohen zusätzlichen Sicherheitsanforderungen erteilt werden. Unabhängig davon werden in den beiden Hebungsgebieten Böblingens sowie in deren Umfeld bis auf Weiteres keine neuen Geothermiebohrungen zugelassen. Über die Zulassungsfähigkeit im Einzelfall entscheidet das Landratsamt Böblingen, Amt für Wasserwirtschaft, als Genehmigungsbehörde nach gründlicher Prüfung der Antragsunterlagen. Gemäß der folgenden Ampelkarte ist der Bau und Betrieb von Erdsondenanlagen in folgenden grünen oder gelben Gemeinden/Gebieten im Landkreis zulässig respektive mit erhöhten Anforderungen denkbar (bis auf Hebungsgebiete Böblingens):

Hat sich die Zahl der Anträge auf Bohrungen verändert?​

Es ist eine fallende Tendenz der Anträge und der gestatteten Bohrungen festzustellen.

Gibt es weitere Konsequenzen?​

Das Land Baden-Württemberg hat auf Grund der Vorfälle in Leonberg und andernorts die Leitlinien und damit die Anforderungen an Erdwärmebohrungen verschärft. Im Amt für Wasserwirtschaft klären wir über Risiken auf und schlagen Alternativen vor.

Mehr zu den Leitlinien Qualitätssicherung Erdwärmebohrungen finden Sie hier:
http://www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/103295/
http://www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/103294/

Gab es bei den Bohrungen kein Genehmigungsverfahren?​

Das Verfahren war damals anders ausgestaltet, als heute. Ältere Bohrungen mussten zwar beim Landratsamt angezeigt werden, sie bedurften jedoch keiner Genehmigung. Das Landratsamt Böblingen hat dennoch bereits früher für solche Bohrungen wasserrechtliche Erlaubnisse erteilt und diese mit Auflagen versehen, die auch eindeutige Pflichten des Antragstellers und der Bohrfirma beinhalteten. Zum Beispiel wurde bestimmt, dass bei jeder Bohrung zur Überwachung ein Geologe dabei sein musste. Es gibt seit Anfang 2011 höhere technische Anforderungen vom Land. Die Bohrungen müssen u. a. detaillierter überwacht und dokumentiert werden. Zudem muss eine Bohrfirma oder der Bauherr eine Versicherung abschließen, die bei einem Schaden unabhängig davon, ob die Schuldfrage geklärt ist, pro Fall bis zu einer Millionen Euro abdeckt. Des Weiteren muss die Bohrfirma eine Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von mindestens fünf Millionen Euro aufweisen.

Ist der Fall mit anderen Schäden durch Bohrungen im Landkreis und darüber hinaus vergleichbar?

Zunächst nicht. Bei den Schadensfällen im Landkreis Böblingen, in Leonberg und Renningen kam es infolge von unsachgemäß ausgeführten Erdwärmebohrungen schlagartig zu Geländesackungen. Die dadurch ausgelösten Gebäudeschäden entstanden unmittelbar in Folge der durchgeführten Bohrungen und waren nicht fortschreitend. Neben der Ursache war auch die auslösende Bohrung jeweils offensichtlich zuordenbar. Hebungen durch Gipskeuperquellen sind vergleichbar mit den Hebungen in Staufen und Rudersberg.

Wie viele Erdwärmebohrungen im gesamten Gebiet der Stadt Böblingen sind dem Landratsamt bekannt?

Auf der gesamten Markungsfläche von Böblingen (einschließlich Dagersheim) gibt es 78 Standorte mit Geothermiebohrungen. 60 Standorte mit insgesamt 200 Bohrungen befinden sich im Bereich der Kernstadt Böblingen.

Wie viele dieser Bohrungen gehen tiefer als 100 m und in welchen Gebieten befinden sich diese?

Von den 200 Bohrungen in der Kernstadt haben 34 Bohrungen eine Tiefe von 100 Metern oder mehr. Die Mehrzahl dieser Bohrungen befinden sich in den Stadtgebieten östlich bzw. nordöstlich einer Linie Unterer See – Oberer See – Murkenbach

In welchen Stadtgebieten Böblingens sind Geothermiebohrungen erfolgt und wie verteilen sich diese zahlenmäßig?

Mehr als 170 der 200 Bohrungen konzentrieren sich in denjenigen Stadtgebieten, die östlich bzw. nordöstlich einer Linie Unterer See – Oberer See – Murkenbach liegen. Die restlichen Bohrungen finden sich vereinzelt über die Stadt verteilt.

Gibt es zur Zeit Anträge/Anzeigen von beabsichtigten Erdwärmebohrungen? Wenn ja wo?

Landrat Roland Bernhard hat für den Landkreis Böblingen ein Verbot von Geothermiebohrungen im Gipskeuper erwirkt. Entsprechende Gebiete sind als rote Gebiete in der Ampelkarte dargestellt. Danach sind neue Geothermiebohrungen im gesamten Stadtgebiet von Böblingen verboten. Da die neue Zulassungspraxis ausführlich kommuniziert wurde, sind seither weder Anträge noch Anzeigen für neue Geothermiebohrungen im Gipskeuper im Landratsamt Böblingen eingegangen.

Wie viele Erdwärmesonden müssen nach jetzigem Kenntnisstand saniert werden?

Sämtliche bislang untersuchten Sonden (insgesamt 17) sind sanierungsrelevant.
Nördlicher Hebungsbereich: 2
Südlicher Hebungsbereich: 15

Wann soll laut Planung mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden?

Die Planung der Sanierungsarbeiten im nördlichen Hebungsbereich ist zu großen Teilen bereits umgesetzt. Vorbereitende Maßnahmen werden im September ausgeführt. Die Luftbildauswertungen auf Kampfmittel für sämtliche Bereiche, in denen die flacheren und tiefen Erkundungsbohrungen vorgesehen sind, liegen bereits vor. Die Luftbildauswertung hat ergeben, dass in den untersuchten Bereichen keine Anhaltspunkte für das Vorhandensein von Sprengbomben-Blindgängern vorhanden sind und keine Notwendigkeit besteht, den Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg zu weiteren Erkundungen einzuschalten. Die vorgesehenen Arbeiten können daher nach Auskunft der beauftragten Firma ohne weitere Auflagen durchgeführt werden. Die eigentlichen Sanierungsmaßnahen im nördlichen Bereich beginnen im Oktober 2014.
 
Die Sanierungsarbeiten im südlichen Hebungsbereich werden sich zeitlich an die Sanierung im nördlichen Bereich anschließen und voraussichtlich im Januar 2015 beginnen. Die sanierungsbegleitenden Arbeiten im südlichen Bereich werden daher so terminiert, dass sie auf diesen Zeitpunkt abgestimmt sind.

Wann sollen laut Planung die Sanierungsarbeiten beendet sein?

Die Sanierungsarbeiten im nördlichen Bereich werden voraussichtlich im Dezember 2014 beendet sein. Die Sanierungsmaßnahmen im südlichen Bereich werden voraussichtlich im Januar 2015 beginnen. Die Sanierungsmaßnahmen in diesem Bereich werden voraussichtlich länger dauern, da 8 Sonden auf 4 Standorten zu sanieren sind. Die Vorbereitungsmaßnahmen für das notwendige „Maßnahmenbündel“ laufen seit der Feststellung der Sanierungsrelevanz im Rahmen der Expertenrunde am 4. September auch für den Bereich Schliffkopfweg / Herdweg an. Die für den südlichen Hebungsbereich ohnehin vorgesehene tiefe Erkundungsbohrung soll im Vorfeld der eigentlichen Sanierungen noch konkretere Erkenntnisse zum geologischen Aufbau und den hydraulischen Verhältnissen liefern. Wir werden Sie informieren, sobald wir zu diesem Bereich konkretere Angaben machen können.

Welchen Zweck verfolgt das Landratsamt Böblingen mit den tiefen Erkundungsbohrungen? (Neu)

Die tiefen Erkundungsbohrungen dienen dazu, unterschiedliche Fragestellungen zu klären.

Zum einem soll der geologische und hydrologische Aufbau des anstehenden Gesteinsuntergrundes im Schadensgebiet genau untersucht werden.

Ferner werden parallel zu der Untersuchung des Gesteinsuntergrundes auch die Tiefenlagen der unterschiedlichen Grundwasserstockwerke sowie ihrer Druckpotenziale ermittelt.

Bestehen besondere Risiken bei einer tiefen Erkundungsbohrung?(Neu)

Bohrungen im quellenden Gebirge sind grundsätzlich risikobehaftet. Die tiefen Erkundungsbohrungen werden daher unter Einhaltung höchster Sicherheitsauflagen durchgeführt. Besondere Relevanz haben dabei die Bohrstrecken im potenziell quellfähigen Gestein. Diese liegen in Tiefen zwischen ca. 40 und 90 Metern. Die Länge der Bohrstrecken unterhalb des quellfähigen Gebirges tragen nur noch unwesentlich zur Erhöhung des Risikopotentials bei.

Nach welchen Kriterien werden die Standorte der tiefen Erkundungsbohrungen ausgesicht? (Neu)

Beide Standorte wurden bzw. werden nach Rücksprache mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB), den Bohrunternehmen, den beteiligten Fachleuten sowie dem Sachverständigenbüro Vees & Partner ausgewählt. Neben der Lage in den eigentlichen Hebungsgebieten - möglichst in der Nähe zu schadhaften EWS-Bohrungen - sind bei der Standortwahl auch logistische Fragen zu berücksichtigen (u.a. Leitungssituation, Anfahrbarkeit der Bohrpunkte, Eigentumsverhältnisse).

Die tiefe Erkundungsbohrung im nördlichen Hebungsbereich wird bereits ausgeführt. Der konkrete Bohrstandort im südlichen Hebungsbereich steht noch nicht fest. Er wird aber nach den o.g. Gesichtspunkten in den nächsten Tagen festgelegt.

Welche Bohrtiefen wurden bei den Untersuchungen der Erdwärmebohrungen im südlichen Hebungsbereich festgestellt? Haben die festgestellten Bohrtiefen Auswirkungen auf das weitere Verfahren? (Neu)

Im Zuge der durchgeführten Untersuchungen wurden Bohrtiefen bis ca. 134 Meter nachgewisen. Bei den anstehenden sanierungsbegleitenden Untersuchungen (u.a. Erkundungsbohrungen) ist dieser Sachverhalt zu berücksichtigen. Sämtliche sanierungsrelevanten Maßnahmen werden jedoch unabhängig von den tatsächlichen Bohrtiefen entsprechend den Erfordernissen vor Ort vollumfänglich durchgeführt.